Kurbads transportiert einen tschechischen Klassiker – Škoda 1200

Autobau parallel zu der Fertigung der Armeefracht , Abmessungen nach dem „Krankenwagen Projekt“ – klingt nicht nach den idealen Bedingungen für die Schaffung eines gut aussehenden Autos? Das klare, intelligente Design des Škoda 1200 beweist das Gegenteil.

Kurbads in Zusammenarbeit mit Normunds Avotiņš setzt eine Reihe von Artikeln über exklusive Retro und Sportwagen fort, diesmal die Geschichte eines 1955er Škoda 1200. Das historische Auto fuhr mit Kurbads von Finnland (https://koskinimport.com/) zurück in die Heimat des Autos – der Tschechischen Republik.

Der Ruf von Škoda-Autos ist so einfach wie das zwei mal zwei- sie sind langlebige und zuverlässige Autos zu einem vernünftigen Preis. Die Autos sind normalerweise auch gut visuell gemacht, doch sind aber nicht so oft wirklich schön – wie die Škoda 1200 der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Darüber hinaus, ist das Auto auf den Bildern keineswegs ein Luxusmodell, sondern ein Konsumprodukt für „Arbeiter und Familien“. Zumindest war das so beabsichtigt.

Die Nachkriegsjahre waren für Škoda düster. Im Februar 1948 drängte der kommunistische Putsch die Tschechoslowakei in den sozialistischen Block und unter die „Schirmherrschaft“ der Sowjetunion mit all ihren Folgen. Die Planwirtschaft trennte den Autobauer vom Industriekonglomerat Škoda Works aus der Vorkriegszeit und verwandelte ihn in AZNP oder Automobilové závody, národní podnik. (Autofabrik, Staatseigentum).

 

Ein Design, das Ford inspirierte

Das neue Modell wurde von AZNP-Chefingenieur Vladimír Matouš und Designer Josef Velebný entworfen, der von Škoda als Legende angesehen wird, ein Meister des gleichen  Kaliber wie beispielsweise Béla Barényi bei Mercedes. Es besteht auch kein Zweifel, dass die Designer des Škoda 1200 vom Ford 49, dem Fiat 1400 und besonders vom Kaiser Special von 1947 inspiriert wurden. Der Prototyp, der 1949 mit einer Fabriknummer fertiggestellt wurde, zeichnete sich durch den damals modischen „Ponton Stil“ Körper aus, der mit acht Schrauben an Velebneys selbstkreierten zentralen Rückgratrahmen, diesmal aus Stahl, befestigt war.

Škoda 1200 - Kurbads

 

Škoda 1200 und Krankenwagen

Die ersten Schwierigkeiten wurden durch den Befehl der Regierung verursacht, neben der Limousine und dem Kombi auch Krankenwagen zu entwickeln. Der ursprüngliche Radstand von 2485 mm für den Patiententransport erwies sich als zu kurz, daher bot AZNP eine erweiterte Version mit 2785 mm an. Diese Lösung wurde wiederum aus Kostengründen abgelehnt, sodass am Ende ein Kompromiss erzielt wurde – 2685 mm oder 20 Zentimeter mehr als der Prototyp. Aufgrund des verlängerten Radstands hat der Škoda 1200 elegantere Proportionen erhalten, so dass man sagen kann, dass dieses Auto durch den Krankenwagen schöner geworden ist. 1200 war in vielerlei Hinsicht ein Pionier. Es war der erste Škoda, der einen Windkanal zur Verfeinerung seines Designs verwendete, der erste mit verdeckten Türscharnieren und versenkten Türgriffen und der erste Škoda mit einer normalen, und nicht selbstmordgefährdeten „suicide door“ version.

Škoda 1200 - Kurbads

 

Herausforderungen von der Regierung

Als die technischen Herausforderungen überwunden waren, griff die kommunistische Regierung ein und befahl die Entwicklung des Škoda 1200 zu stoppen, und einige der bereits installierten Geräte abzubauen. Grund war die Absicht, die Produktion von Tatra 660 Tatraplan nach Mladá Boleslav zu verlagern und so Produktionskapazitäten für die Produktion des Armeewagens Tatra 128 freizusetzen. Der erste Škoda 1200 lief am 11. Juli, nur einen Monat nach dem Ende des Tatra-Abenteuers, vom Band. In Mlada Boleslaw wurden nur die Limousinen gebaut. Laut Fahrgestellnummernschild wurde unsere dunkelrote Kopie auch dort angefertigt. Unglaublich, aber die Regierung der Tschechoslowakei hat erneut versucht die Produktion von Škoda 1200 zu sabotieren. Diesmal war das Thema des Urteils ein Armeelaster Tatra 805 (so etwas wie GAZ-66), der parallel zu der Limousine montiert werden sollte.

 

Auto auf westlicher Ebene

Wie Sie auf den Bildern sehen können, ist der Vordersitz des Škoda 1200 einteilig. Da das Auto relativ breit herauskam, und der Schalthebel and der Lenksäule sich befand, ist die Limousine eigentlich ein Sechs-Sitzer. Ein interessantes Merkmal ist die zweiteilige Windschutzscheibe. Obwohl die damalige Technologie bereits die Herstellung einer einteiligen Windschutzscheibe ermöglichte (der Beweis ist die Panorama-Heckscheibe), entschied sich Velebny aufgrund der besseren Aerodynamik für eine zweiteilige.

Škoda 1200 - Kurbads

 

Der Škoda 1200 ist nicht nur ein atypisches Auto für den sozialen Block, sondern auch ein Symbol für gewaltfreien Widerstand gegen die von der Sowjetunion auferlegte Ausrüstung. Mit ihrem Verstand, ihrem Einfallsreichtum und ihrer List gelang es den Tschechen, ein Auto der westlichen Klasse zu entwickeln und zu produzieren, das trotz seines schwachen Motors langlebig, sparsam und dennoch gut fuhr. Leider war das Auto nicht für die geplante Zielgruppe möglich, nach der Währungsreform im Jahr 1953 wo 300.000 Kr. Zu 30.000 Kr. wurden, konnten nur 74 (!) Privatpersonen es sich leisten.